1908-2008   100 Jahre Stromversorgung in Herxheim

Ein erstes Angebot für Herxheim: 1901 bot das Unternehmen Elektrizitäts-Actien-Gesellschaft vorm. W. Lahmeyer & Co. Frankfurt-Main der Gemeinde Herxheim den Bau eines Elektrizitätswerkes mit Gleichstrombetrieb an. Der produzierte Strom sollte für den Betrieb von 45 Straßenlampen zu 25 Normalkerzen (etwa 75 Watt) dienen. Der Gemeinderat lehnte allerdings ab. Noch war die Zeit für Strom in Herxheim nicht reif.


1906   Energieversorgung zunächst in privater Hand

Die Ortgemeinde Herxheim schließt 1906 einen Konzessionsvertrag zur alleinigen Lieferung von Energie für Licht-, Kraft- und Heizzwecke in Herxheim mit dem Unternehmen Schlaegel & Dassenoy mit einer Laufzeit von 30 Jahren ab. Vertraglich beauftragt die Gemeinde den Strombezug für die Straßenbeleuchtung mit neunzig Glühlampen bei jährlich 1000 Brennstunden für 1800 Mark. Für Privatabnehmer und die Gemeinde kostet der Strom für Licht 40 Pf/kWh, Kraftstrom kosten die Hälfte.


1908   Fertigstellung eines Elektrizitätswerks für die Stromversorgung in Herxheim

Nach mehreren gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Unternehmen Schlaegel & Dassenoy ging das Herxheimer Elektrizitätswerk im März oder April 1908 in Betrieb. Mängel in der Versorgung waren Ursache einer erneuten gerichtlichen Auseinandersetzung. Es wurde Einigung erzielt das Werk mit einem weiteren Generator auszubauen. Doch die Betriebsprobleme hielten an.


1910   Rheinische Schuckert-Gesellschaft übernimmt Herxheimer E-Werk nach Zwangsversteigerung

Nach Vertragslösung durch das Amtsgericht Landau kam es am 12.07. zur Zwangsversteigerung des Elektrizitätswerks. Den Zuschlag erhielt die Rheinische Schuckert-Gesellschaft für 102.000 Mark. Anfang August informierte die Gesellschaft über eine geplante Verbindung zwischen den E-Werken Edenkoben und Herxheim, die alsdann umgesetzt zur Stilllegung des Herxheimer Elektrizitätswerkes führte.


1916   Gelände des ehemaligen Elektrizitätswerks wird der Ortsgemeinde zum Kauf angeboten

Seit 1916 wurde der Strom nicht mehr vor Ort produziert, sondern von der "Centrale Vorderpfalz" in Edenkoben, die von der Rheinische Schuckert-Gesellschaft betrieben wurde, bezogen. Das Gelände des Elektrizitätswerks in der Raiffeisenstraße wird der Ortsgemeinde zum Kauf angeboten

1919   Pfalzwerke übernehmen Stromversorgung

Nach Gründung 1912 übernehmen die Pfalzwerke, an dem neben der Rheinische Schuckert-Gesellschaft auch Städte und Gemeinde beteiligt sind, neben dem E-Werk Edenkoben weitere E-Werke in der Pfalz und nahmen mit dem Kraftwerk Homburg, das 1914 in Betrieb ging, die flächendeckende Elektrifizierung der Pfalz in Angriff.

1924   Ortsgemeinde Herxheim nimmt Verhandlungen zur Übernahme des Stromnetzes auf

Mit der Ersteigerung 1910 hatte die Rheinische Schuckert-Gesellschaft neben dem Elektrizitätswerk auch das Stromverteilungsnetz übernommen, das zunächst auch an die Pfalzwerke überging. 1923 berief sich die Ortsgemeinde auf die vertragliche Regelung zur Übergabe des Ortsnetzes. Das Angebot erfolgte 1924 für 115.000 Goldmark, was nicht auf ungeteilte Zustimmung der Bevölkerung stieß. Der hohe Kaufpreis wurde kritisiert. Aber auch die Chancen wurden von einem Befürworter erkannt, der die finanziellen Vorteile darstellte: "Es ist richtig, dass das Ortsnetz Herxheim durch den Kauf in den Besitz der Gemeinde übergegangen ist. Wenn der Herr Einsender jedoch glaubt, dass der Gemeinde keine fühlbare Vorteile durch die Übernahme des Ortsnetzes erwachsen würden, dürfte er sich jedoch gewaltig täuschen. Er möge nur an Hand einiger Zahlen sich selbst ausrechnen, welche Vorteile durch den Kauf gewonnen werden: Bisher bezahlte jeder einzelne Stromabnehmer pro Kilowattstunde an die Pfalzwerke 60 Pfennig für Licht und 40 Pfennig für Kraft. Jetzt liefern die Pfalzwerke den Strom an die Gemeinde für 12 ¾ Pfennig, also entsteht beim Lichtstrom ein Gewinn von über 40 Pfennig für die Gemeinde und nicht mehr wie früher für die Pfalzwerke. Rechnen wir die Hälfte dieses Überschusses pro Kwst. für Reparaturen, was sehr hoch genommen ist, so verbleibt ein Reingewinn von mindestens 20 Pfennig, ..." Doch die Abwicklung stößt noch auf vertragsrechtliche Hemmnisse.




1928   Gemeinderat beschließt Ankauf des Verteilnetzes und Herxheim wird A-Gemeinde

Während der Elektrifizierung der Pfalz, hatten viele Gemeinden, insbesondere die größeren, darauf beharrt, die Energieverteilung innerhalb des eigenen Ortsnetzes selbst zu übernehmen und ein kommunales Leitungsnetz aufzubauen. Die sog. A-Gemeinden entstehen. Sie bezogen Strom von den Pfalzwerken, leiten diesen durch ihr eigenes Netz und verkaufen Strom an den Endverbraucher. Aus der Differenz zwischen den Großkonsumentenrabatt und dem Kleinverbraucherpreis werden Gewinne für die Gemeinde gezogen. Gemeinden ohne eigenes Netz werden als B-Gemeinden bezeichnet. Mit der Netzübernahme wird Herxheim von der B-Gemeinde ab 1928 zur A-Gemeinde mit Übernahme des örtlichen Stromverteilnetzes und ist seither Netzbetreiber in Herxheim.


1928   Abschluss eines Stromliefervertrages mit den Pfalzwerken

Am 13. Juni 1928 wird zwischen den Pfalzwerken AG und der Ortsgemeinde Herxheim, vertreten durch Bürgermeister Roth ein Stromliefervertrag auf 25 Jahre geschlossen. Bereits in der Ratssitzung am 24.08.1928 konnte positive Bilanz gezogen und über einen Bruttogewinn von 1800 Reichsmark für den Monat Juli berichtet werden. Hohe Stromverluste aufgrund technischer Defekte und widerrechtliche Stromentnahmen mit 21% führten zu polizeilicher Überprüfung von Zählern und Plomben und zum Erlass einer Ortspolizeivorschrift zur Eindämmung der unerlaubten Stromentnahme 1929.


1934   Erneuerung der Verteilnetzanlagen Altortsbereich

Seit 1929 arbeitete die Gemeinde für technische Fragen mit der "Amtlich anerkannten elektrotechnischen Beratungsstelle der Pfälzischen Landesgewerbeanstalt Kaiserslautern" zusammen. Überprüfungen führten dazu, dass 1934 im Bereich der heutigen Oberen Hauptstraße , Atala-, Niederhohl- und Querhohlstraße Masten und Dachständer erneuert werden mussten. Die empfohlene Errichtung einer 2. Trafostation in der Speiertsgasse hingegen wurde zunächst zurückgestellt.


1945   Instandsetzung des Verteilnetzes nach Beschädigung im 2.Weltkrieg

Gegen Ende des 2. Weltkrieges beauftragte Bürgermeister Knoll zunächst die Elektromeister Deutsch und Monteure Brechtel und Josef, unterstützt durch die Hilfskräfte Rieder mit der Instandsetzung des Ortsnetzes. Parallel erfolgte die Reparatur der Strecke Bellheim - Herxheim durch die Pfalzwerke. Am 25.04.1945 wurde erstmals wieder Strom geliefert, wobei zunächst die lebenswichtigen Betriebe der Gemeinde, Bäcker und Metzger, mit Strom versorgt wurden.


1957   Ortsnetzerweiterung - neue Trafostationen werden gebaut

Bedingt durch den ständig steigenden Energiebedarf ist das kommunale Stromversorgungsnetz nun einem laufenden Um- und Ausbau unterworfen. Die vorhanden Trafostationen Eisenbahnstraße (BBC-Trafo, 315 kVA, bis dahin größter Trafo, eingebaut 31.03.1955), Oberen Hauptstraße (Station Ochsen), Speiertsgasse und Gittermaststationen Blitzwiesen und Lanzet werden in den Jahren 1957 bis 1959 durch weitere Trafostationen in der Hagstraße, Station Akkord, Bruchgasse ergänzt.


1960   Herxheim wächst - das Verteilnetz wird erweitert - Trafostationen gebaut

Beginnend ab 1958 wird die Kettelerstraße als eines der letzten Gebiete mit Freileitung erschlossen. Das Baugebiet Musikerviertel wird dann 1961 als erstes Baugebiet in Herxheim mit Erdkabel erschlossen. Es folgen die Baugebiete Südring/Albert-Detzel-Straße, Weißes Kreuz, Westring, Fredäcker Ost und West, Sandgärten sowie die Gewerbegebiete Am Kleinwald, Sunnerwiesen, Am Gäxwald, Industriegebiet West und in 2008 das Baugebiet Zwischen den Bächen. Das Leitungsnetz der Gemeindewerke Herxheim besteht aus rd. 114 km Niederspannungsnetz, 28 km Mittelspannungsnetz, 2 Übergabestationen und 50 Trafostationen. Daneben wird die Straßenbeleuchtung der Ortsgemeinde Herxheim mit 48 km Niederspannungsnetz, rd. 1400 Lampenmasten und 1517 Lampenkörpern betreut.


1974   Übergabestation Kalkofen wird in Betrieb genommen

Seit der Übernahme des Verteilnetzes durch die Ortsgemeinde war die Übergabestation in der Eisenbahnstraße im Eigentum der Pfalzwerke. Mit Neubau einer Übergabestation Kalkofen, die im Februar 1974 in Betrieb genommen wurde, wurde auch die Station Eisenbahnstraße von der Gemeinde gekauft und als Trafostation genutzt. 1985 wird die Erdschlusserfassung und 1992 eine Erdschlussspule mit Sternpunktbildner nachgerüstet.


1985   Freileitungsnetz wird durch Erdverkabelung ersetzt

Mit Verlegung der Telefonleitungen wird durch die Gemeindewerke Herxheim auch das Verteilnetz im Altortbereich erneuert und die Freileitungen und Dachständer abgebaut. Die Erdverkabelung wird bis 1996 vollständig abgeschlossen.


1994   Die Gemeindewerke ziehen zusammen mit den Verbandsgemeindewerken in das neue Verwaltungsgebäude

Im Zuge der Dorferneuerung im Herxheim wird im Bereich der Oberen Hauptstraße 16 ein Bauensemble mit Bürotrakt, Fahrzeughalle, Parkdeck und Wohn- und Geschäftshäusern errichtet, in den nunmehr die Verwaltung der Gemeindewerke einzieht. In räumlicher Nähe zu den technischen Betrieben Stromversorgung, Verbandsgemeindewerke Wasserversorgung und Baubetriebshof mit Bauhof und Gärtnerei sind wir für unsere Kunden ortsnah und bürgerfreundlich zu erreichen.


1998   Öffnung der Strommärkte für alle Kundengruppen

Das Jahr 1998 markiert für die Energieversorgungsunternehmen einen tiefgreifenden Einschnitt. Mit Inkrafttreten des neuen Energiewirtschaftsgesetzes am 29.04.1998 wird die Binnenmarktrichtlinie Elektrizität der EU in deutsches Recht umgesetzt. Über die EU-Richtlinie deutlich hinausgehend sind in Deutschland alle Kundengruppen von Beginn an zum Wettbewerb zugelassen. Die Gemeindewerke Herxheim stehen von nun an mit Wettbewerb mit anderen Stromanbietern und stellen sich dieser Herausforderung mit Erfolg. Mit ihrem breitgefächerten Produktangebot, mit ihrer Nähe zu den Kunden, aber auch mit günstigen Strompreisen behaupten sie sich gegen zahlreiche Mitbewerber auf dem Strommarkt und sorgen dafür, dass die Wechselrate sehr gering ausfällt.

2001   Gemeindewerke im Betriebsverbund mit dem Waldfreibad Herxheim

Die Gemeindewerke nehmen über einen technisch wirtschaftlichen Betriebverbund das Waldfreibad Herxheim als weiteren Betriebszweig in das Unternehmen.

2002   Inbetriebnahme des ersten Blockheizkraftwerkes

Am 20. Oktober 2002 wurde die Blockheizkraftwerksanlage der Gemeindewerke Herxheim, Betriebszweig Waldfreibad, in Betrieb genommen. Neben der Warmwassererzeugung für das Freibad ist die Anlage auch für die Wärmeversorgung das Waldstadions konzipiert. Die Anlage liefert jährlich etwa 200.000 kWh Strom.

2006   Bau einer zweiten Übergabestation Industriegebiet West

Zur Erhöhung der Versorgungssicherheit wird im Westen von Herxheim eine zweite Übergabestation zur Einspeisung von Strom aus dem Pfalzwerke Netz gebaut und 2006 in Betrieb genommen.

2008   Die Gemeindewerke Herxheim - Ihr Versorger vor Ort

Service und Beratung gehören zu den Dienstleistungen der Gemeindewerke Herxheim. Hierfür stehen 7 eigene Mitarbeiter und weitere 7 Mitarbeiter der Verbandsgemeindewerke Herxheim, mit denen wir im kaufmännischen Bereich kooperieren, jederzeit zur Verfügung. Rd. 9.000 Einwohner werden in der Ortsgemeinde Herxheim sicher und zuverlässig mit Strom beliefert. Allen Bürgern von Herxheim und den umliegenden Gemeinden bieten wir weiterhin die Attraktionen unseres Waldfreibades, geöffnet von Mai bis September an.


Recherchiert von Herrn Dr. Imhoff und Frau Anne Müller, Kommunales Archiv Herxheim